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06.01.2012
Eine Kluft im Verhältnis zwischen Kapitalismuskritikern und Kirche?

Der Finanzsystem-kritischen Protestbewegung fehle es an etwas: einer breiten kirchlichen Trägerschaft - das meint Prof. Dr. Franz Segbers, von der Universität Marburg, in einem Artikel auf der Internetseite zeitzeichen.net. Prof. Segbers blickt zurück auf die Friedensbewegung der 1980er Jahre und sieht einen entscheidenden Unterschied: Damals, so Segbers, engagierten sich bekannte Persönlichkeiten der evangelischen Kirche in der Bewegung.
In dem Artikel kommen daneben auch andere zu Wort. So zum Beispiel Werner Rätz, Mitbegründer von attac, der ein "klares und dramatisches Defizit von Seiten der Kirche" beklagt. Ihm zufolge verschliefen die Kirchen die jetzige Bewegung. Es zeige sich, dass sie kein Interesse an denen hätten, die die soziale Frage in der Finanzkrise thematisieren.
Ein anderer, der zu Wort kommt, ist Karl-Heinz Dejung, der dem Leitungsteam des Seminars für Kirchlichen Dienst in der Industriegesellschaft der Gossner Mission Mainz angehörte. Dejung, so der Artikel, vermisse in der Kirche die Trägergruppen des Protestes. Seinerzeit hätten politisch engagierte Kirchenmitglieder "durch den Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung Rückenwind" bekommen. Doch jetzt "bewegt sich nichts mehr".
Segbers beschreibt Deutschlands Kirchen als reich und gleichzeitig abhängig: Sie seien selbst in vielfältiger Weise in das Finanzsystem eingebunden. Sie zögen ihren Vorteil aus einem System, das auf renditeträchtige Anlage bedacht sei und trieben dadurch einen "Kasinokapitalismus" voran.
In einem anhängigen Kommentar zum Artikel beschreibt ein Leser die Rolle der Kirche anders - sie solle sich eben nicht allgemeinpolitisch positionieren. Auch den Begriff "Kasinokapitalismus" sieht er als wenig treffend beschrieben, so könne man denn im Kasino alles verlieren, während die derzeitigen Probleme daher rührten, dass man die "Kasinobesucher" eben von ihren Verlusten freistelle, was die Risikolust in die Höhe schnellen ließe.