Blog | Sitemap | Kontakt | Impressum | Datenschutz
Das Afrikanische Netzwerk zu Schulden und Entwicklung wurde 1994 gegründet und spricht sich für einen formal und permanent institutionalisierten Schiedsgerichtshof für Auslandsschulden aus, der bei den Vereinten Nationen angesiedelt werden soll.
Der Barwert eines Kredits ist die Summe der abgezinsten, künftigen Schuldendienstzahlungen. Je höher der Zinssatz im Verhältnis zu einem weltweiten Referenzzinssatz ist, desto höher liegt der Wert heutiger Geldeinkünfte im Vergleich zu künftigen Geldeinkünften. Bei einem Zinssatz von 10 Prozent und einem Berechnungszeitraum von einem Jahr sind 1.100 €, die ich in einem Jahr erhalte, zum jetzigen Zeitpunkt nur 1.000 € wert (Barwert). Das heißt, dass ich heute einen Kredit von 1.000 € aufnehmen könnte, um in einem Jahr ebenfalls einen Betrag von 1.100 € zu erhalten. Der Barwert von 1.100 €, den ich in einem Jahr erhalte, beträgt also 1.000 €. Wenn ich diesen Betrag von 1.100 € erst in zehn Jahren erhalte, beträgt der Barwert heute lediglich 424 €. Der Barwert ist also um so niedriger, je länger der Betrachtungszeitraum und je höher der Zinssatz ist. Als Diskontsatz dient im Rahmen der HIPC-Initiative ein gewichteter CIRR-Zinssatz (Commercial Interest Reference Rate), den die OECD als Referenzzinssatz für öffentlich unterstützte Exportfinanzierungen vorgibt. Die Berechnung des Barwerts dient dazu, die Kredite verschiedener Gläubiger mit zum Teil sehr unterschiedlichen Konditionen (Zinsen, Laufzeit, Freijahre) vergleichbar zu machen.
Diese Kategorie umfasst Kredite, die von einer öffentlichen Exportkredit-Agentur mit einer staatlichen Garantie abgesichert bzw. refinanziert wurden und die noch nicht Gegenstand einer Umschuldung im Rahmen des Pariser Clubs wurden. Diese Kredite sind Teil der bilateralen Schulden und resultieren aus der Finanzierung von Investitions- oder Handelsgeschäften.
Bilaterale Schulden sind Schulden, die sich aus Krediten von Regierungen und deren Institutionen (Nationalbanken eingeschlossen), Krediten von autonomen Institutionen und Körperschaften sowie direkten Krediten von offiziellen Exportkredit-Banken zusammensetzen.
Das BIP ist der Wert aller Güter (Sachgüter und Dienstleistungen), die innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (meist eines Jahres) in einem Land erzeugt werden. Dazu gehören auch Güter, die von Ausländern und ausländischen Unternehmen erstellt werden, die im Inland ansässig sind. Das Bruttoinlandsprodukt spiegelt die gesamte wirtschaftliche Leistung eines Landes wider. Bei internationalen Vergleichen dient es oft als Gradmesser für die wirtschaftliche Leistungskraft der einzelnen Länder.
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Das BNE ist der Wert aller Güter (Sachgüter und Dienstleistungen), die innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (meist eines Jahres) von den Staatsangehörigen eines Landes im In- und Ausland erzeugt werden.
Nach diesem Ansatz, der vom europäischen Entschuldungsnetzwerk EURODAD entwickelt wurde, soll in einem verschuldeten Land zunächst festgestellt werden, wie viel Geld es benötigt, um die Existenzsicherung der Bevölkerung sicher zu stellen (Pfändungsfreigrenze). Dann noch vorhandene Ressourcen können eventuell für den Schuldenerlass eingesetzt werden.
Beim G7-Gipfel in Köln 1999 beschlossene Anhebung der Erlassobergrenzen der Naples Terms von 1994 auf 90%. Zusätzlich sollen denjenigen Schuldnerländern, die in die Multilaterale Entschuldungsinitiative (HIPC) einbezogen werden, anders als im Pariser Club bis dahin üblich, die Schulden aus der Entwicklungshilfe erlassen werden, und im Bedarfsfall über die 90% hinaus ein vollständiger Erlass aller Forderungen der Pariser Club Mitglieder ausgesprochen werden.
Die "Gemeinsamen Aktions-Klauseln" in Kreditvertrπgen erlauben es einer Glπubigermehrheit, fŸr alle Glπubiger bindende Vereinbarungen mit dem Schuldner zu treffen.
Am Completion Point erhält ein Land im Rahmen der HIPC-Initiative das volle Paket von Maßnahmen zur Schuldenerleichterung, welches am Decision Point festgelegt wird. Seit 1999 kann der Completion Point bereits vor Ablauf der dreijährigen Frist erreicht werden, wenn die vereinbarten politischen Maßnahmen bereits früher durchgeführt werden (“floating decision point” = schwebender Abschlusszeitpunkt)
Zeitpunkt der ersten Umschuldung eines Landes vor dem Pariser Club. Entsprechend sind post-cut-off-date-Schulden diejenigen Schulden, die einem Land nach dem Zeitpunkt der ersten Umschuldung vor dem Pariser Club entstanden sind und pre-cut-off-date-Schulden diejenigen Schulden, die ein Land vor diesem Datum gemacht hat. Normalerweise werden nur cut-off-date-Schulden im Pariser Club umgeschuldet.
Im DAC behandelt die OECD Fragen der Kooperation mit den sog. Entwicklungsländern. Das DAC hat 23 Mitglieder (22 Geberstaaten sowie die EU-Kommission).
Am Decision Point entscheidet sich, ob ein Land in die HIPC-Initiative aufgenommen wird oder nicht (Aufnahmekriterien siehe Kap. B.2.1.). Voraussetzungen für das Erreichen des Decision Points sind die erfolgreiche Durchführung von Strukturanpassungsmaßnahmen über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren, die Erstellung eines PRSP sowie eine Umschuldung des Pariser Club. Das Decision Point-Dokument basiert auf einer Schuldentragfähigkeits-Analyse (Debt Sustainability Analysis).
Dies sind Kredite, die aus den Entwicklungshilfebudgets der Geberländer finanziert werden und die ein bestimmtes Begünstigungselement enthalten.
Die erweiterte Strukturanpassungsfazilität ESAF ist eine günstige Kreditlinie des IWF für Niedrigeinkommensländer, die bis 1999 vergeben wurde. Die Kreditvergabe war an die Erfüllung eines dreijährigen Strukturanpassungsprogramms geknüpft. Eine vom IWF selbst durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Maßnahmen innerhalb dieses Programms Auswirkungen auf die Armut in den jeweiligen Ländern nicht berücksichtigte. Im Herbst 1999 ging die ESAF in die PRGF (Poverty Reduction Growth Facility) über.
Das Europäische Netzwerk zu Schulden und Entwicklung wurde 1990 gegründet, und vertritt inzwischen 48 NROs aus 15 europäischen Ländern; eins seiner Mitglieder ist erlassjahr.de. EURODAD will eine bessere Koordination der in der Entschuldungsarbeit engagierten Organisationen und versucht Einfluss auf europäische und multilaterale Entscheidungsträger auszuüben. Der Sitz des Sekretariats ist Brüssel.
Beim G7-Gipfel 2003 im französischen Evian beschlossene Entschuldungsmöglichkeit für Länder außerhalb der HIPC-Initiative. Die G7 sprechen ausdrücklich von einem "Approach" statt von "Terms", da anders als bei allen anderen Rahmenwerken zuvor, keine quanitativen Regeln für Entschuldung festgelegt wurden, sondern das Prinzip, dass mit jedem unter E. behandelten Land eine auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Vereinbarung getroffen werden sollte. Bis Anfang 2005 erhielten Kenia und Ecuador "Evian"-Entschuldungen, die tatsächlich weniger Entschuldung als erwartet bedeuteten. Lediglich der außergewöhnliche Erlass für den Irak (80% Reduzierung") war eine großzügigere Lösung als andernfalls möglich gewesen wäre.
Abkürzung für Fair and Transparent Arbitration Process (Faires und transparentes Schiedsverfahren).
Gruppe der 7 bzw. 8 witchtigsten Industrieländer (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, USA, sowie seit 1997 Russland).
Informeller Zusammenschluss von Entwicklungsländern innerhalb der Vereinten Nationen zur besseren Kooperation zwischen den Entwicklungsländern und zur besseren Abstimmung in internationalen Verhandlungen. Bei seiner Gründung 1964 gehörten 77 Länder dazu, heute haben die G77 insgesamt 134 Mitglieder.
Gegenwertfonds sind eine besondere Übertragungsstruktur für Schuldenumwandlungen für Entwicklung. Ein GWF entsteht durch die Verpflichtung der Schuldnerregierung, einen Teil der erlassenen Schuld auf ein Treuhandkonto zu überweisen, das von einem unabhängigen Gremium verwaltet wird. Die Mittel dieses Kontos dienen der Finanzierung von Entwicklungsprojekten.
Die Gesamtschulden setzen sich zusammen aus der Summe der
(1) staatlichen und staatlich garantierten langfristigen Schulden,
(2) privaten nicht-garantierten langfristigen Schulden,
(3) offenen IWF-Krediten und
(4) kurzfristigen Schulden.
Governance bezieht sich im Wesentlichen darauf, wie Macht (Werte, politische Maßnahmen) durch die ökonomischen, sozialen und politischen Institutionen eines Landes geltend gemacht wird. “Good governance” bezeichnet somit das gute Funktionieren und Zusammenspiel der einzelnen Institutionen.
Der HDI ist der einfache Durchschnitt der Einzelindikatoren für
(1) Lebenserwartung bei der Geburt,
(2) Alphabetisierungsrate,
(3) kombinierte Einschulungsrate aus Primar-, Sekundar- und tertiärer
Stufe und
(4) das reale bereinigte BIP pro Kopf.
Länder mit einem HDI von 0,800 und höher werden als Länder mit einer hohen menschlichen Entwicklung eingestuft. Länder mit einer mittleren menschlichen Entwicklung sind jene mit einem HDI von 0,500 bis 0,799, während jene Länder, die darunter liegen, als Länder mit einer niedrigen menschlichen Entwicklung eingestuft werden.
Heavily Indebted Poor Country = hoch verschuldetes, armes Land (nach Definition von Weltbank und Internationalem Währungsfonds), siehe Kap. B.2.1.1. (1).
HIPC II, auch Kölner Schuldeninitiative genannt, wurde von den G7-Regierungen beim Kölner Weltwirtschaftsgipfel 1999 in Köln beschlossen. Die Erweiterung gegenüber HIPC I bestand in einer weiteren Senkung der Belastbarkeitsgrenze für Länder bei der Rückzahlung ihrer Schulden. Bis zu 38 Länder fallen unter diese Regelungen. Außerdem wurde eine Reform der Bedingungen für Schuldenerlasse angestoßen: sie wurden an die Durchführung von Armutsbekämpfungsprogrammen (PRSP) gebunden, deren Formulierung unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft geschehen muss.
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds haben 1996 erstmals den Vorschlag gemacht, dass eine Gruppe von hoch verschuldeten armen Ländern (Heavily Indebted Poor Countries) im Rahmen der “HIPC-Initiative” einen Schuldenerlass bekommen soll, der alle Kredite einbezieht: Die bilateralen Schulden bei Staaten, die multilateralen Schulden gegenüber den multinationalen Entwicklungsbanken (vor allem dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank) und die Schulden bei privaten Banken.
Beim G7-Gipfel 1990 beschlossene Rahmenwerk für die Entschuldung von "hoch verschuldetenLändern mit niedrigem mittlerem Einkommen" (Severely Indebted Lower Middle Income Countries - SILMICs) im Pariser Club. Es gibt unter "Houston Terms" keinen Erlass, aber die Möglichkeit zur zinsvergünstigten Umschuldung, was eine Schuldenerleichterung bedeutet. Houston Terms beinhalten in der Regel auch eine "Swap-Klausel"; das heißt: es können zusätzlich Schuldenumwandlungen für Entwicklung vereinbart werden.
Die IBRD, die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, ist jener Teil der Weltbank-Gruppe, der Kredite an Schuldner mittleren Einkommens zu kommerziellen Bedingungen vergibt.
Die Internationale Entwicklungsorganisation IDA gehört zur Weltbank-Gruppe und vergibt Kredite zu besonders günstigen Konditionen an die ärmsten Entwicklungsländer. Eine Voraussetzung für die Aufnahme in die HIPC-Initiative ist der IDA-only-Status. Das bedeutet, dass ein Land ausschließlich Kredite von der IDA und keine Weltbank-Kredite zu Marktkonditionen erhält. Ein Land erhält nur dann einen IDA-only-Status, wenn es ein Pro-Kopf BIP von weniger 895 US-Dollar aufweist.
siehe IDA
Dazu gehören regionale Entwicklungsbanken sowie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds, siehe Weltbank und IWF.
siehe Odious Debts
Der IWF wurde 1944 mit dem Ziel gegründet, die internationale Währungsstabilität zu sichern. Er hat zur Zeit 184 Mitgliedsstaaten, deren Stimmrecht sich nach ihrem Kapitalanteil richtet. Der IWF hat das Schuldenrahmenwerk DSF als Tragfähigkeitsanalyse erarbeitet und zusammen mit der Weltbank die HIPC-Initiative gegründet.
siehe HIPC II
Kommerzielle Schulden sind private Bankkredite ohne staatliche Garantie und Kredite bei Unternehmen sowie Schuldverschreibungen (Bonds).
Dies ist ein Kredit, der zu einem niedrigeren Zinssatz als der marktübliche vergeben wird.
Kurzfristige Schulden sind Schulden, die eine Laufzeit von weniger als einem Jahr haben. Kurzfristige Schulden können öffentliche und öffentlich garantierte sowie private nicht-garantierte Schulden umfassen.
Langfristige Schulden sind Schulden, die eine Laufzeit von über einem Jahr haben und ausländischen Gläubigern geschuldet werden. Sie können in Devisen sowie Sach- und Dienstleistungen abbezahlt werden. Die langfristigen Schulden setzen sich zusammen aus
(1) öffentlichen Schulden gegenüber einer Regierung oder einer anderen
politischen Institution bzw. einer autonomen öffentlichen Organisation,
(2) öffentlich garantierten Schulden und
(3) auch privaten, nicht garantierten Schulden.
Less Developed Country (wenig entwickeltes Land)
Low Income Country (Niedrigeinkommens-Land)
Least Developed Country (am wenigsten entwickeltes Land)
Rund 1000 Gläubigerbanken haben sich im “Londoner Club” informell zusammengeschlossen und regeln bei Zahlungschwierigkeiten die Umschuldung von privaten Forderungen. Auch hier gibt es keine festen Regeln und keine Ansprüche der Schuldner auf Erlasse. Ein Lenkungsausschuss der Banken führt die Verhandlungen. In der Regel müssen Zinsen vollständig beglichen werden. Nur die eigentliche Kreditsumme kann umgeschuldet werden. Für eine Verlängerung der Rückzahlungszeiträume nehmen die Banken in der Regel einen Zinssatz, der über dem aktuellen Marktzins liegt, sowie eine Bearbeitungsgebühr.
(auch "Enhances Toronto-Terms" oder "Trinidad Terms" genannt). Beim G7-Gipfel 1991 in London beschlossene Ausweitung der durch die Toronto Terms 1989 möglich gewordenen Schuldendienstreduzierungen im Pariser Club auf bis zu 50%.
Beim G7-Gipfel in Lyon 1996 beschlossene Anhebung der Erlassobergrenzen der Naples Terms von 1994 auf 80%.
"Multilateral Debt Relief Initiative" (dt: Multilaterale Entschuldungsinitiative). Beim G8-Gipfel 2005 in Gleneagles (Schottland) beschlossener Schuldenerlass für diejenigen Länder, die bereits durch die HIPC-Initiative entschuldet wurden. Dabei sollen die Weltbanktochter IDA, der IWF und der Afrkanische Entwicklungsfonds (AfDF) auf 100% ihrer vor dem 31.12.03 (bei IDA und AfDF) bzw. 31.12.04 (IWF) entstandenen Forderungen an die betreffenden Länder verzichten. IDA und AfDF lassen sich für die geleiteten Entschuldungen in voller Höhe aus den Entwicklungshilfehaushalten der Geberländer entschädigen. Deswegen und wegen der frühen Cut-off-Dates fällt der Erlass geringer aus als der Erlass "zu 100%" nahe legt.
Middle Income Country (Mitteleinkommens-Land)
Im September 2000 beschloss die UN-Vollversammlung in New York die Millenniumserklärung. Zu ihrer Umsetzung wurden acht Ziele formuliert (u.a. die Halbierung der Armut und Senkung der Kindersterblichkeit), die bis zum Jahr 2015 verwirklicht werden sollen.
Multilaterale Schulden sind Schulden bei der Weltbank (WB), beim Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie bei Regionalbanken. Diese Schulden durften vor der HIPC-Initiative weder umgeschuldet noch erlassen werden. Nicht zu den multilateralen Schulden gehören Kredite aus den Fonds, die von internationalen Organisationen im Namen von einzelnen Regierungen verwaltet werden; sie werden bei den bilateralen Schulden eingerechnet.
Beim G7-Gipfel 1994 in Neapel beschlossene Anhebung der im Pariser Club möglichen Schuldendienstreduzierungen für hoch verschuldete IDA-only-Länder auf bis zu 67%. Zusätzlich fürde erstmals die Möglichkeit geschaffen, nicht nur den laufenden Schuldendienst, sondern mit dem Ziel einer endgültigen Lösung ("Exit Solution") den gesamten Schuldenstand des betroffenen Landes beim Pariser Club um zwei Drittel zu reduzieren.
Dies ist ein Kredit, der zu einem marktüblichen Zinssatz vergeben wird.
Der Nominalwert oder Nennwert eines Kredites bezeichnet den Wert bei der Kreditvergabe (im Gegensatz etwa zum Barwert).
Abkürzung für Nicht-Regierungs-Organisation / Non-Governmental-Organisation.
Prozentualer Anteil der Entwicklungshilfegelder des Bundes am Bruttoinlandsprodukt. Derzeit beträgt die ODA-Quote 0,28 Prozent (Stand 2006). In einem Stufenplan soll diese Quote bis zum Jahr 2015 auf 0,7 Prozent steigen.
"Verabscheuungswürdige Schulden" sind seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ein völkerrechtlicher Begriff. Er beinhaltet, dass Schulden nicht zurückgezahlt werden müssen, wenn 1. das Kredit aufnehmende Land keinen Vorteil von ihnen hatte, 2. die betroffene Bevölkerung der Kreditaufnahme nicht zugestimmt hat (durch eine durch Wahlen legitimierte Regierung) und 3. beides den Kreditgebern bekannt war bzw. hätte sein können.
Organisation für wirtschaftliche Kooperation und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development).
Dies sind staatlich garantierte Bankkredite, denen ein Exportgeschäft zugrunde liegt, und Kredite, die vom Gläubierstaat (etwa über Entwicklungshilfe) finanziert wurden.
Der Pariser Club (PC) ist ein informelles Kartell der öffentlichen Gläubiger; diesem Kartell, das seit 1956 besteht, gehören vor allem OECD-Länder sowie seit Juni 1997 Russland an. Im Pariser Club werden im Konsens Umschuldungen und Schuldenerleichterungen von Entwicklungshilfe und staatlich garantierten Exportkrediten für einzelne Schuldnerländer ausgehandelt. Die Vereinbarungen des haben jedoch keinen rechtlich bindenden Charakter. Daher müssen sie in bilateralen Abkommen zwischen Schuldnerland und jedem einzelnen Gläubigerland festgelegt werden.
Bei Zahlungsschwierigkeiten einzelner Schuldnerländer einigen sich die im Pariser Club versammelten Gläubiger auf Kreditumschuldungen. Die ausstehenden Kredite werden dabei in neue Umschuldungskredite, oft mit längeren Laufzeiten, umgewandelt. Seit den 80er-Jahren sehen die Umschuldungsvereinbarungen auch Schuldenreduzierungen vor.
Dies sind öffentlich garantierte Kredite, die aus “politischen” Gründen nicht bedient werden können bzw. deren Bedienung sich verzögerte, die aber noch nicht umgeschuldet wurden. Haftungen für politische Risiken versichern Zahlungsausfälle, die aufgrund der politischen Situation des Abnehmerlandes entstehen, wie etwa Verstaatlichungen, Kriegssituationen, aber auch das sogenannte Transferrisiko, bei dem Devisenmangel die Ursache für die Nichtbezahlung eines Kredites ist.
Die Armutsreduzierungs- und Wachstumsfazilität PRGF ist eine günstige Kreditlinie des IWF für Niedrigeinkommensländer, die 1999 die ESAF ersetzte. Die Ziele und Projekte der mit der PRGF finanzierten Programme sollen sich am PRSP des betreffenden Landes orientieren.
Strategiepapiere zur Reduzierung der Armut, die seit 1999 von den Regierungen der IDA-only-Länder in Zusammenarbeit mit der Weltbank, dem IWF sowie der Zivilgesellschaft und weiteren Gebern erstellt werden müssen. Sie ersetzen die Policy Framework Papers, in denen früher die Maßnahmen der Strukturanpassungsprogramme (SAP) festgelegt wurden. Die Papiere sind Vorbedingung für günstige Kredite sowie für Entschuldungen im Rahmen der HIPC-Initiative. Sie definieren die makroökonomischen, strukturellen und sozialen Maßnahmen, die ein Land in Angriff nehmen will, um eine Förderung des Wirtschaftswachstums und eine Bekämpfung der Armut zu erreichen. Ferner werden der Finanzbedarf und die wichtigsten Finanzierungsquellen beschrieben. Vor der Verabschiedung eines endgültigen PRSP, dessen Erarbeitung oft über ein Jahr dauert, kann zunächst ein so genanntes Interims-PRSP erstellt werden.
Strukturanpassungsprogramm des IWF.
Verhältnis von Schuldenstand zum Betrag des BIP eines Landes. Die Schulden-BIP-Quote entspricht der wirtschaftlichen Leistung eines Landes, indem sie die Summe aller Erwerbs- und Vermögenseinkommen darstellt, die innerhalb eines Jahres von den Einwohnern dieses Landes geschaffen wurden.
Verhältnis von Schuldenstand zu den jährlichen Exporteinnahmen. Rechnerisch wird der Schuldenstand durch die jährlichen Exporteinnahmen geteilt. Diese Quote wird als Indikator für Tragfähigkeitsanalysen verwendet. Hat ein Land also einen Schuldenstand in Höhe von 30 Euro und Exporteinnahmen in Höhe von 20 Euro, so beträgt die Schulden-Export-Quote 150 Prozent; der Schuldenstand ist anderthalb mal so groß wie die Exporteinnahmen.
Verhältnis von Schuldenstand zu den Staatseinnahmen aus Steuern und Zöllen.
Verhältnis des Schulden Barwertes eines Landes zu den jährlichen Exporteinnahmen.
Verhältnis der Summe der jährlichen Schuldendienste (also Zinsen und Tilgungen) zu den jährlichen Exporterlösen eines Landes. Dieses Verhältnis ist wie die Schulden-Export-Quote ein Indikator für eine Tragfähigkeitsanalyse.
Diese setzen sich aus fälligen, nicht bezahlten Kapital- und Zinsrückzahlungen zusammen. langfristige Schulden
Diese Tragfähigkeitsanalyse wurde 2004 vom IWF erstellt. Dabei wird anhand von Schuldenstresssituationen (z.B. wenn ein Land seine Schulden nicht mehr zahlen kann) die Schuldentragfähigkeit ermittelt. Das Ziel dieser Analyse ist aber nicht, einen Erlassbedarf zu errechnen, sondern nur die Ermittlung der neuen Schulden, die die betroffenen Länder wieder aufnehmen sollen.
Eine Schuldenumwandlung für Entwicklung ist eine Finanztransaktion, bei der ein Teil oder alle durch einen Schuldenerlass frei werdenden Mittel für die Finanzierung von Entwicklungsprojekten im Schuldnerland verwendet werden. Je nach Schuldenkategorie gibt es zwei unterschiedliche Formen von Schuldenumwandlung für Entwicklung:
(a) Marktorientierte Schuldenumwandlung: Eine Organisation kauft auf dem Sekundärmarkt Schulden auf, um ihre Entwicklungsprojekte zu finanzieren.
(b) Nicht-marktorientierte Schuldenumwandlung: Infolge einer Vereinbarung zwischen Gläubiger- und Schuldnerregierung wird ein Teil der erlassenen Summe für die Finanzierung von Entwicklungsprojekten verwendet. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten der Übertragung:
· die Schuldnerregierung verpflichtet sich, direkt in Entwicklungsprojekte
zu investieren
· Übertragung mit Hilfe von Gegenwertfonds
Die vorliegende Studie bezieht sich ausschließlich auf Modell (b).
Mit dem Umschuldungsmechanismus für souveräne Schuldner legte der IWF Ende 2001 einen eigenen Vorschlag zum Umgang mit insolventen Staaten vor. Damit sollten die meisten Forderungen an ein überschuldetes Land neu geregelt werden. Im Rahmen dieses Vorschlags hatte sich der IWF einen starken Einfluss auf die Verhandlungen zwischen Gläubigern und Schuldnern gesichert. Der SDRM scheiterte jedoch 2003 am Widerstand der USA.
Gruppe von 27 (Stand 2003) hoch verschuldeten Ländern mit niedrigem Einkommen laut Definition der Weltbank. Dazu zählen Länder mit einem Bruttonationaleinkommen pro Kopf von weniger als 736 US-Dollar, deren Barwert des Schuldendienstes 220 Prozent der Exporterlöse oder 80 Prozent des Bruttonationaleinkommens übersteigt.
Hoch verschuldetes Land mit unterem Mitteleinkommen (laut Definition der Weltbank).
Gruppe von 19 (Stand 2003) hoch verschuldeten Ländern mit mittleren Einkommen laut Definition der Weltbank. Dazu zählen Länder mit einem Bruttonationaleinkommen pro Kopf zwischen 736 und 9.075 US-Dollar, deren Barwert des Schuldendienstes 220 Prozent der Exporterlöse oder 80 Prozent des Bruttonationaleinkommens übersteigt.
Ein Swap (Tausch) ist eine Schuldenumwandlung in der Form, dass der Gläubiger dem Schuldner die Kreditrückzahlung in Devisen erlässt, Letzterer aber im Gegenzug finanzielle Mittel in der Landeswährung bereitstellen muss, die für Projekte der Armutsbekämpfung, ökologische Projekte u.ä. verwendet werden sollen.
Jener Teil der fälligen Kapital- und Zinsrückzahlungen auf langfristige Schulden, der im angegebenen Jahr vom Schuldnerland geleistet wurde.
Austauschverhältnisse im internationalen Handel: Darstellung der Beziehungen zwischen den durchschnittlichen Ausfuhr- und Einfuhrpreisen eines Landes oder einer Gruppe von Ländern. Die Terms of Trade eines Landes verbessern sich, wenn die im Export erlösten Durchschnittspreise steigen und/oder die für Importgüter bezahlten Preise sinken. Verhält es sich umgekehrt, so spricht man von einer Verschlechterung der Terms of Trade. Es müssen dann nämlich mehr Güter exportiert werden, um die Importe bezahlen zu können. Meist bezeichnet man mit den Terms of Trade die reale Austauschrelation zwischen Primärgütern - das sind Rohstoffe - und Industriegütern.
1989 auf dem Weltwirtschaftsgipfel von den G7 beschlossenes Rahmenwerk für Schuldenerlasse zugunsten von hoch verschuldeten IDA-only-Länder im Pariser Club. Toronto Terms gestatteten Reduzierungen des im Konsolidierungszeitraum (i.d.R. zwei Jahre) fällig werdenden Schuldendienstes (Zinsen und Rückzahlungen) um 33 %.
Dies sind Kredite, die von Banken ohne staatliche Garantien zur Finanzierung von Exportgeschäften gewährt wurden.
Die Weltbank wurde wie der IWF auf der Konferenz von Bretton-Woods 1944 gegründet. Ähnlich wie beim IWF müssen Anteile erworben werden, um dann ein Mehrfaches dieser Anteile als Kredit anfordern zu können. Auch die Stimmrechte sind ähnlich verteilt wie beim IWF. Ein Land kann nur dann Mitglied der Weltbank werden kann, wenn es auch Mitglied des IWF ist. Die Weltbank ist mittlerweile für viele Entwicklungsländer der mit Abstand größte Kreditgeber.
Die gesamte Weltbank-Gruppe besteht heute aus den unabhängigen Organisationen IBRD (International Bank for Reconstruction and Development, gegründet 1944 auf der Bretton Woods-Konferenz), IDA (International Development Agency, gegründet 1960), IFC (International Finance Corporation), MIGA (Multilateral Investment Guarantee Agency, gegründet 1985) und ICSID (International Centre for Settlement of Investment Disputes, gegründet 1966).
Von diesen Organisationen gehören IBRD und IDA de facto zusammen und werden als Weltbank bezeichnet. Die Angestellten und der Vorstand sind gleich. Um Mitglied der IDA zu werden, muss ein Land vorher der IBRD beigetreten sein.
Das ist unter anderem das Recht jedes Menschen auf einen angemessenen Lebensstandard für sich und die Familie, einschließlich ausreichender Ernährung, Bekleidung und Unterbringung, sowie auf eine stetige Verbesserung der Lebensbedingungen (Artikel 11 Absatz 1 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte - "Sozialpakt", 1966); das Recht eines jeden auf das für ihn erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit (Artikel 12), das Recht eines jeden auf Bildung (Artikel 13) sowie das Recht eines jeden, am kulturellen Leben teilzunehmen und an den Errungenschaften des wissenschaftlichen Fortschritts und seiner Anwendung teilzuhaben (Artikel 15). Die Achtung, der Schutz und die Förderung der bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte für alle sind auch Teil der UN-Millenniumserklärung aus dem Jahr 2000 (Ziffer 25).